E-Bikes sind nur etwas für Bequeme? Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig
E-Bikes werden noch immer oft unterschätzt. Für manche sind sie ein praktisches Fortbewegungsmittel, für andere ein Zeichen von Bequemlichkeit. Doch stimmt das wirklich? Ist E-Bike fahren tatsächlich weniger sportlich als klassisches Velofahren, oder steckt darin vielleicht sogar ein echter gesundheitlicher Nutzen?
Ein Beitrag der SRF-Sendung «Einstein» vom 22.05.2025 ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Besonders spannend: Ein überzeugter Velofahrer, der normalerweise tausende Kilometer pro Jahr mit Rennvelo, Gravelbike, Mountainbike und Alltagsvelo fährt, testete einen Monat lang das E-Bike. Die zentrale Frage: Macht der Motor faul oder kann das E-Bike sogar ein Trainingsgerät sein?
Die Antwort ist überraschend klar: E-Bike fahren ist deutlich aktiver, als viele denken.
E-Bike fahren bedeutet nicht automatisch weniger Bewegung
Der grosse Irrtum beim E-Bike: Viele glauben, dass der Motor die ganze Arbeit übernimmt. Tatsächlich unterstützt der Motor aber nur dann, wenn man selbst in die Pedale tritt. Wer fährt, bewegt sich also weiterhin aktiv.
Natürlich kann sich eine Fahrt mit Unterstützung leichter anfühlen. Doch genau darin liegt ein grosser Vorteil: Wer weniger schnell ermüdet, fährt oft weiter, länger und regelmässiger. Dadurch kann am Ende eine vergleichbare körperliche Belastung entstehen wie beim klassischen Velo.
Das zeigt auch der Selbstversuch aus «Einstein»: Auf bekannten Strecken war die reine Eigenleistung zwar teilweise etwas geringer, dafür wurden Strecken schneller bewältigt und häufig zusätzliche Runden angehängt. Das E-Bike führte also nicht zwingend zu weniger Bewegung, sondern oft zu mehr Aktivität.
Das E-Bike ersetzt häufig nicht das Velo, sondern Auto, ÖV oder Fusswege
Ein wichtiger Punkt wird in der Diskussion oft vergessen: Viele Menschen steigen nicht vom klassischen Velo aufs E-Bike um, sondern nutzen das E-Bike statt Auto, öffentlichem Verkehr oder kurzen Wegen zu Fuss.
Damit wird das E-Bike zu einem echten Mobilitätsgewinn. Es bringt Menschen in Bewegung, die sonst vielleicht gar nicht oder deutlich weniger aktiv wären. Besonders für ältere Personen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger kann das E-Bike eine ideale Möglichkeit sein, wieder regelmässig aktiv zu werden.
Der Motor senkt die Einstiegshürde. Steigungen, Gegenwind oder längere Distanzen verlieren ihren Schrecken. Genau dadurch wird Bewegung alltagstauglicher.
Trainingseffekt trotz Motor: Warum E-Biken gesund ist
E-Bike fahren kann Herz-Kreislauf-System, Muskulatur und Ausdauer fördern. Der Körper arbeitet, auch wenn ein Motor unterstützt. Entscheidend ist, wie das E-Bike genutzt wird.
Wer bewusst in die Pedale tritt, eine tiefere Unterstützungsstufe wählt oder längere Strecken fährt, kann mit dem E-Bike durchaus sportlich unterwegs sein. Besonders im Alltag entstehen dadurch viele zusätzliche Bewegungsminuten: Arbeitsweg, Einkauf, Ausflug oder kurze Besorgungen werden plötzlich zur aktiven Mobilität.
Die Vorteile von regelmässigem E-Bike fahren:
- mehr Bewegung im Alltag
- gelenkschonende Aktivität
- bessere Ausdauer
- Unterstützung bei Steigungen und Gegenwind
- Motivation für längere Strecken
- gute Alternative zu Auto oder ÖV
- ideal für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger
- mehr Freude an regelmässiger Bewegung
Auch die Unterstützungsstufe entscheidet weniger, als viele denken
Spannend ist auch die Beobachtung aus dem «Einstein»-Beitrag: Die gewählte Unterstützungsstufe beeinflusst die eigene Leistung offenbar weniger stark, als man vermuten würde. Viele Menschen treten mit einer relativ ähnlichen Kraft in die Pedale, unabhängig davon, ob der Motor stärker oder schwächer unterstützt.
Der Unterschied zeigt sich eher in der Geschwindigkeit, im Komfort und darin, wie lange man unterwegs bleibt. Das bedeutet: Auch mit höherer Unterstützung bleibt E-Bike fahren eine aktive Bewegung. Man kommt nur leichter, schneller oder entspannter ans Ziel.
E-Bike fahren kann die Gesundheit der Gesellschaft fördern
E-Bikes haben nicht nur Vorteile für einzelne Fahrerinnen und Fahrer, sondern auch für die Gesellschaft. Wenn mehr Menschen regelmässig aktiv unterwegs sind, kann sich das positiv auf die Gesundheit auswirken. Weniger Bewegungsmangel, mehr Ausdauer, mehr Mobilität und weniger Abhängigkeit vom Auto sind starke Argumente für das E-Bike.
Gerade in der Schweiz, wo viele Wege im Alltag kurz bis mittellang sind, bietet das E-Bike grosses Potenzial. Pendeln, Einkaufen, Freizeitfahrten oder Ausflüge lassen sich bequem und aktiv verbinden.
Natürlich bleibt Sicherheit wichtig. E-Bikes sind schneller und schwerer als klassische Velos. Deshalb sind ein passendes Bike, gute Bremsen, ein Helm, vorausschauendes Fahren und regelmässiger Service besonders wichtig.
Sehenswert: Die «Einstein»-Sendung vom 22.05.2025
Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich die SRF-Sendung «Einstein» vom 22.05.2025 anschauen. Der Beitrag zeigt anschaulich, wie sich ein Monat auf dem E-Bike anfühlt, welche Leistungsdaten dabei entstehen und warum das Vorurteil vom «Velo für Faule» zu kurz greift.
Die Sendung lohnt sich besonders für alle, die noch skeptisch sind oder sich fragen, ob ein E-Bike wirklich zur eigenen Fitness beitragen kann. Sie liefert einen spannenden Mix aus Selbstversuch, Forschung und praktischen Erkenntnissen.
Fazit: Das E-Bike ist mehr als ein Komfortvelo
E-Bike fahren ist nicht einfach nur bequem. Es kann ein echter Motivator für mehr Bewegung, mehr Mobilität und mehr Lebensqualität sein. Der Motor nimmt nicht die Aktivität weg, sondern macht sie für viele Menschen überhaupt erst möglich.
Wer regelmässig mit dem E-Bike unterwegs ist, tut etwas für seine Gesundheit, spart im Alltag Wege mit dem Auto und entdeckt vielleicht ganz neue Strecken. Ob als Trainingsgerät, Alltagsvelo oder komfortabler Begleiter für längere Touren: Das E-Bike hat seinen Platz längst verdient.
Unser Tipp: Wer selbst herausfinden möchte, wie sportlich, komfortabel und vielseitig E-Bike fahren sein kann, sollte eine Probefahrt machen. Oft reicht schon eine Runde, um zu merken: Dieses Velo macht nicht faul, sondern Lust auf mehr Bewegung.
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